Pleite

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David Hasselhoff Konzert 1989 in BerlinBerlin muss mehr Pleite sein, als wir alle dachten! Die haben doch tatsächlich David Hasselhoff für die Silvesterparty am Brandenburger Tor engagiert.

Wir erinnern uns als dieser Mann 1989 praktisch im Alleingang den kalten Krieg besiegt hat. Denn damals gab er schon einmal ein Konzert in Berlin und sang seinen Song: „I’vwe been looking for freedom!“.

Danach konnten sie nicht anders, die DDR-Grenzerschützer sind heulend in Tränen ausgebrochen. David schnappte sich eine Spitzhacke und hat eigenhändig die Mauer eingerissen. Dann kam es zu herzzerreißenden Szenen, als Udo Lindenberg den Grenzschützern Gitarren in die Hände drückte. Darauf spielten sie ein Konzert, das so abrockte, dass der gesamte Ostblock zum Einsturz gebracht wurde. Was Politiker und Waffengewalt nicht vermocht hat, schaffte David Hasselhoff mit einem simplen Lied. Die Masse war fasziniert und traumatisiert zugleich.

Ernüchternd mussten die neuen befreiten jetzt Kapitalisten feststellen, dass mit Freiheit nur die Reisefreiheit gemeint war. Zuerst einmal gab es höhere Steuern, mehr Arbeitslosigkeit, die selben Lügen in der Politik nur anders verpackt. Julian Assange zeigte dann auch, dass die Rede- und Meinungsfreiheit, sowie die Pressefreiheit im Westen nichts wert ist.

Was man mit der Reisefreiheit anfangen sollte, wusste auch keiner so recht, denn alle waren so frei, dass es nur Mord und Totschlag gab. Entweder in der Form von gestiegener Kriminalität bis hin zu Wirtschafts- oder Drogenkriegen.

Ich war vor einiger Zeit mit einem befreundetem Blogger, nämlich Musikdieb auf einer griechischen Solidaritätsparty. Da haben wir ordentlich Zaziki gefuttert und Fladenbrot und über die Ungerechtigkeit in der Welt diskutiert.

Anschließend gab es noch einen Film über die Unruhen und Ausschreitungen in Griechenland. Eine Szene fand ich da besonders bewegend:

Griechische Polizisten schützten den Zugang von einem Regierungsgebäude. Die waren mit Schlagstock und in voller Polizeimontur mit Helmen und Visier bewaffnet. Vor den Polizisten standen die wütenden Demonstranten, die in einer Tour die Polizisten beschimpften, die aber regungslos blieben. Dann kam eine Frau und meinte zu den Polizisten, zieht eure Rüstung aus, sonst können wir euch nicht Umarmen und mit euch gemeinsam den Neuanfang starten. Die Polizisten blieben regungslos, also ging die Frau weiter und sprach auf andere Polizisten ein. Bis einer letztendlich den Helm abnahm und seine Handschuhe auszog um der Frau die Hand zu geben.

Eine besonders interessante Sache erzählte mir Musikdieb, die ihr in seinem Blog nachlesen könnt über die Universitäten in Griechenland.

Die Hochschulen genießen nämlich einen Sonderstatus in Griechenland und die Polizei darf diese Hochschulen erst betreten, wenn ein Gremium an dem auch die Studenten beteiligt sind, dem zustimmt. Das macht auch durchaus Sinn, denn Veränderung geht meistens von den Hochschulen aus, die sich als erstes gegen politische Ungerechtigkeit auflehnen. Den Studenten, der zukünftigen Elite des Landes kann man auch genug Intelligenz zutrauen, dass sie sich nicht leichtfertig einmischen. In China werden die Studenten bei Protesten allerdings mit Panzern überrollt. In Deutschland räumt die Polizei das Audimax, obwohl sich die Regierung nicht mit den Ursachen des Bildungsstreiks beschäftigt.

Auch wenn wir uns von Griechenland nicht das Lügen und Bilanzfälschung abschauen sollten, aber wie die Griechen mit ihren Hochschulen umgehen ist bemerkenswert. So kann in den Hochschulen die Möglichkeit für neue Ideen und Veränderung reifen, ohne dass der Protest von der Polizei, die allzu gerne der Handlanger der Unterdrücker ist, vorzeitig beendet wird.

Ich hatte jetzt schon das zweite merkwürdige Erlebnis bei einer Bank.

1) Nachts am Geldautomaten von der Commerzbank, als man noch nicht wusste was aus ihr wird und mir noch nicht 25% der Bank gehörten. Genaugenommen gehört mir ja nur ca. ein 80 Millionstel von 25% der Commerzbank. Wenn man bedenkt, dass die Bank, wenn sie wieder Gewinne macht sofort privatisiert wird, dann gehört mir nichts und ich darf nur zahlen :( Aber zurück zu meinem Erlebnis bei besagter Bank: Ich wähle meinen üblichen dreistelligen Betrag beim Geldautomaten, als der mir meldet Auszahlung nicht möglich. Er bietet als Alternative 50€ an. Ich denke besser als Nichts und nehme das Geld. Da habe ich also die letzten 50€ der Commerzbank aus dem Automaten gezogen, kurz vor der Pleite 😉 Im Nachhinein denke ich, dass entweder viele besorgte Kunden den Automaten ungewöhnlich hoch belastet haben oder es bei der Befüllung zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

2) Das zweite Erlebnis beginnt zufällig wieder bei einer anderen Commerzbank (ich bin Kunde in der Cash Group und irgendwie fängt alles Unglück immer bei der Commerzbank an). Ich gehe an den ersten Geldautomaten und habe alles eingegeben und der Automat meint er würde meine Auszahlung bearbeiten. Dabei denke ich mir, dieser Schlitzaufsatz für die Karte sieht genauso aus, wie die Dinger (Skimmer) vor der die Polizei warnt. Wackel an dem Teil und es wakelt verdächtig, geht aber nicht ab. Plötzlich meldet der Automat eine technische Störung und wirft meine Karte raus. „Ok zu viel gewackelt“, denke ich und gehe zum nächsten Automaten. Auch der meldet eine technische Störung. Ich habe noch einen ausprobiert und dachte dann, dass sie der Commerzbank die Leitung gesperrt haben. Also bin ich zur nächsten Bank (eine Dresdner) dort war schon eine Frau an einem Automaten beschäftigt, also nahm ich den anderen. Plötzlich stand sie hinter mir und meinte, dass ihr Automat kaputt sei. Aber auch mein Automat meldete wieder eine Störung. Inzwischen war aber noch jemand anders reingekommen und bekam gerade Geld ausgezahlt an dem Automaten, der die Frau abgewiesen hatte. Wir also sofort hin zu ihm und fragten wie er das denn hinbekommen hat. Letztendlich verglichen wir unsere Karten und stellten fest, er war von einer anderen Bank und die Frau und ich waren bei der selben, woraufhin sie sofort meinte, dass unsere Bank wohl pleite wäre…

Serverausfall, Erd- oder Sonnenstrahlung ist wohl wahrscheinlicher, aber in diesem Moment lief irgendwie mein kurzes unbedeutendes Leben vor meinen Augen ab und ich gelangte zu der Erkenntnis, dass wir zu abhängig sind von zentralen Strukturen.

Was passiert wenn wir morgen Pleite sind? Keiner bekommt mehr Geld aus dem Automaten. Panikkäufe in den Geschäften beginnen und die Lebensmittelpreise steigen. Gerade in einer Großstadt, die sich nicht selbst versorgen kann ist das ein großes Problem. Erste Plünderungen von Geschäften beginnen. Strom und Wasser werden abgeschaltet. Die Polizei fährt durch die Straßen und verkündet über Lautsprecher eine Ausgangssperre. Linke Gruppen sehen darin ein Signal und bewerfen die Polizeiautos mit Molotowcocktail und errichten Barrikaden auf den Straßen. Die Bundeswehr beginnt Regierungsgebäude abzusperren und per Hubschrauber werden ausgewählte Personen evakuiert. Nach tagelangen Straßenschlachten und ohne Nachschub ziehen sich die letzten Soldaten aus dem Stadtkern zurück. Längst sind alle wichtigen Personen aus der Stadt evakuiert und Tausende geflohen oder tot. Es gibt Flüchtlingscamps am Rande der Stadt mit katastrophalen hygienischen Zuständen. Vereinzelt ist von Kannibalismus die Rede. Längst haben Banden die Macht in einzelnen Stadtteilen übernommen und bekämpfen sich. Die Landbevölkerung hält überwiegend zusammen und verbarrikadiert sich. Flüchtlingsströme aus nahegelegenen Städten werden mit Waffengewalt abgewiesen. Die Regierung sendet über das Radio Durchhalteparolen und stellt in Aussicht, dass man mit der Bundeswehr nach und nach die Kontrolle zurückübernehmen wird.

Hoffentlich bekomme ich morgen wieder Geld und der Weltuntergang wird noch mal etwas hinausgezögert…